Papier-Innovation

10.01.2017 14:19

Moleskine trotzt dem Digitalen – und verdient prächtig

Der Notizbuch-Hersteller Moleskine verzeichnet noch immer kräftiges Wachstum. Das ist vor allem einer kompromisslos konsequenten Markenpflege zu verdanken.

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In China produziert: Moleskine-Notizbücher. © Beigestellt

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In einer Zeit, in der sich Einfälle binnen Sekunden im Smartphone speichern lassen, braucht eigentlich niemand mehr ein klassisches Notizbuch. Doch die italienische Marke Moleskine trotzt dem Trend zur Digitalisierung des Alltags – die Geschäfte mit den kleinen Büchlein laufen prächtig.

Von einem regelrechten „Moleskine-Phänomen“ spricht der Mailänder Wirtschaftsprofessor Alessandro Brun. Das Unternehmen setzt bei der Vermarktung vor allem auf die Historie der Notizbücher. Dabei gibt es Moleskine erst seit 20 Jahren.

Seit die Marke 1997 vom später verkauften Unternehmen Modo & Modo in Mailand ins Leben gerufen wurde, setzt sie auf den Bezug zur Vergangenheit. Ob Pablo Picasso, Vincent Van Gogh oder Ernest Hemingway – sie alle sollen einst Notizbücher benutzt haben, die ganz ähnlich aussahen wie das Mailänder Modell von heute.

Der britische Schriftsteller Bruce Chatwin berichtete in den 80er-Jahren in seinem Buch „Traumpfade“, wie er alle Notizbücher dieser Art aufkaufte, die er finden konnte, nachdem ihr Hersteller im französischen Tours dicht gemacht hatte. Chatwin benutzte für die Büchlein den Begriff „Moleskine“, abgeleitet vom englischen Wort „moleskin“ (Maulwurfhaut).

Bis heute lassen sich die Notizbücher leicht erkennen, obwohl der Hersteller inzwischen verschiedene Formate, Farben und Papierqualitäten anbietet: Der Klassiker hat einen schwarzen Einband, abgerundete Ecken und ein Gummiband zum Verschließen.

Wem gefällt das? Vor allem den sogenannten „Knowledge Workers“, sagt Unternehmenschef Arrigo Berni – etwa Designern, Architekten, Ingenieuren und Anwälten. „Unsere Kunden zeichnen sich nicht so sehr durch die Höhe ihres Einkommens aus als durch ihren Bildungsgrad“, erläutert Berni.

Auch im Zeitalter der Digitalisierung gebe es den Wunsch nach etwas zum Angreifen, meint der Moleskine-Chef. Das Notizbuch biete eine „komplementäre Erfahrung“ zu Smartphone oder Computer. Ähnlich sei es mit der Schallplatte im Zeitalter der digitalisierten Musik.

Die Geschäftszahlen geben Berni recht. Binnen sieben Jahren hat sein börsennotiertes Unternehmen mit 431 Mitarbeitern den Umsatz mehr als verdreifacht auf 128 Mio. Euro im Jahr 2015. Im kommenden Jahr sollen es 200 Mio. sein.

Während die Schreibwarenbranche insgesamt um drei bis vier Prozent jährlich zulegt, kann Moleskine mit Wachstumsraten von 20 Prozent aufwarten. Das liege daran, dass Moleskine nicht nur ein „Qualitätsprodukt“ verkaufe, sondern zugleich „eine Marke und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe“, sagt Berni. „Das ist genau das, was auch Apple macht.“

In den vergangenen Jahren hat Moleskine sein Portfolio deutlich ausgebaut. So gibt es jetzt auch Stifte und Rucksäcke von der Marke – und Cafes: Das erste eröffnete 2015 am Genfer Flughafen, seit Juli 2016 gibt es auch eins in der Mailänder Innenstadt.
Seit Kurzem gehört Moleskine zur belgischen Unternehmensgruppe D’Ieteren, die vor allem für ihre Autohäuser bekannt ist. Der Gruppe gehören 95 Prozent der Anteile. Sie plant, auch die übrigen Aktien zu kaufen und Moleskine dann von der Börse zu nehmen. Berni erwartet jedoch keine weitergehenden Veränderungen. D’Ieteren habe eine „langfristige Version“ für den Notizbuch-Hersteller.

Eins schließt Berni ohnehin aus, nämlich eine Verlagerung der Produktion – nach Italien wohlgemerkt. Schon seit dem Start 1997 werden die Moleskine-Notizbücher in China hergestellt.

So ganz stimmt das mit dem trotzigen Widerstand gegen das Digitale freilich nicht mehr: Moleskine hat in den letzten Jahren viel investiert, um technologische Brücken zwischen Papier und Digitalem zu bauen. Etwa mit Notizbüchern, die mit der Creative Cloud von Adobe verbunden sind, eigenen Apps oder Moleskine+, einem Smart Writing-System, das Handschrift oder Skizzen aus Notizbüchern direkt in ein eigenes cloudbasiertes elektronisches System überträgt zur weiteren Verarbeitung.

(APA/AFP/red)

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